Kommentar Am 2. Juli haben Stihl und Kärcher in Winnenden den Start einer gemeinsame Akku-Allianz verkündet. Demnach öffnen die Waiblinger ihr gerade vorgestelltes, neues AllPro Akkusystem für professionelle Anwendungen des benachbarten Reinigungsspezialisten. Ab 2027 bringt dieser die ersten von Stihl elektrifizierten Geräte auf den Markt. Der neue gemeinsame Weg birgt Chancen und Herausforderung zugleich.
Keine Frage: Akkuplattformen machen Sinn. Bewiesen haben das die Powertool-Anbieter. Ob Einhell, Bosch, Makita oder Metabo - sie alle fahren seit vielen Jahren gut mit immer wachsenden Geräte-Universen, die um eine bestimmte Lithium-Ionen-Batterie kreisen. Insbesondere im endverbraucherorientierten 18 Volt-Segment ist das gefragt und der Schlüssel zum Mehrverkauf: Ist der Kunde durch einen Initialkauf erst einmal in einem Batteriesystem engagiert, fällt der Griff zu einem weiteren Gerät aus der Akkufamilie meist nicht schwer. Auch Kooperationen in dem Segment sind längst keine Seltenheit. Wäre da etwa die 2021 gegründete Power for All Alliance von Bosch und Gardena, der etliche weitere Fabrikate aus dem Home & Garden Sortiment folgten. Auch im Profisegment sind derlei Zusammenschlüsse keine Seltenheit. Ebenfalls 2021 nahm Bosch mit AmpShare ‒ powered by Bosch ebenso gewerbliche Anwender ins Visier und gewann vom Start weg Profimarken wie Brennenstuhl, Ledlenser oder Wagner als Partner, um nur drei zu nennen. Noch früher dran war Metabo mit seinem Cordless Alliance System, kurz CAS , rund um den hauseigenen LiHD-Akku, das es sich zum Ziel machte, Anbieter für die unterschiedlichsten Profi-Gewerke in einem System zu vereinen. Auch das kam an. Stand April dieses Jahres haben sich gut 50 Fabrikate aus den verschiedensten Bereichen zu CAS committet.
Für Stihl indes war ein solcher Verbund lange kein Thema – käme dies doch der Aufgabe der technologischen Souveränität gleich, argumentierte man noch 2023. „Wir verfügen im Akkusegment über ein sehr leistungsfähiges System mit verschiedenen Linien und einer vollen Palette. Daher sind wir der Meinung, diesen Weg gut allein weiter beschreiten zu können“, äußerte sich Stihl Vorstandschef Michael Traub zur damaligen Bilanz-PK auf eine entsprechende Nachfrage. Ein Jahr später klang dies schon milder: Würde es passen, würde man eine Kooperation im Bereich Akku nicht kategorisch ausschließen, gab seinerzeit die mittlerweile ausgeschiedene Entwicklungsvorständin Anke Kleinschmit zu Protokoll. Tatsächlich darf man annehmen, dass es zu diesem Zeitpunkt längst konkrete Überlegungen in diese Richtung gab.
Denn eine weitere Wahrheit ist, dass das für die Zukunft unerlässliche Akkubusiness gerade für europäische Anbieter teuer ist. Teurer jedenfalls als für die vielen chinesischen Akteure, die auch nicht eben untätig sind in diesem Feld. Im Gegenteil: Mit Positec unter der Marke Kress und EGO, um nur zwei zu nennen, zeigen hier Pure-Player Flagge, die ihre Kapazitäten vollends der Batterietechnik widmen. Auch klassische Powertool-Anbieter wie Milwaukee oder DeWalt engagieren sich zunehmend im OPE-Geschäft. Dabei ist auch hier der Allianzgedanke nicht neu: So hat es EGO seit seinem Markteintritt in Deutschland vor zehn Jahren geschafft, seine Powerheads und 56V Akkus unter powered by EGO auf bislang über 40 Fremdfabrikaten – auch aus der Gartentechnik – zu etablieren. Einige davon wird man demnächst alternativ auch mit Stihl-Motoreneinheiten und Batterien finden, denn auch die Waiblinger belassen es nicht allein bei Kärcher. Dahinter steht eine klare Mission: die von Stihl viel zitierte doppelte Technologieführerschaft. Und auch in Winnenden hat man eindeutige Ambitionen in Richtung Elektrifizierung.
Spannend bleibt, wie die Allianz verfängt. Anlässlich deren Vorstellung stellten die beiden Vorstandsvorsitzenden Michael Traub und Hartmut Jenner die Gemeinsamkeiten der Unternehmen Stihl und Kärcher in den Vordergrund. Das eine 100, das andere 91 Jahre alt, nahmen beide ihren Anfang in Stuttgart Bad Cannstatt, wie es heißt gerade einmal 300 Meter voneinander entfernt, und teilen bis heute die Werte schwäbischer Familienunternehmen. Zu glauben, man hätte in diesem Setting nicht auch mal rivalisiert, wäre zu schön gedacht. Auch vor dem Hintergrund von Sortimentsentscheidungen ruckelte das nachbarschaftliche Einvernehmen immer wieder mal. Doch das spielt heute keine Rolle mehr. Was insbesondere den Fachhandel viel mehr interessieren dürfte, ist die Verlässlichkeit hinsichtlich einer sauberen Vertriebsstrategie. Die technologische Entwicklung der in der Allianz genutzten neuen AllPro Akkus hält Stihl in den Händen. Zu welchen Preisen und in welchen Aktions-Umfeldern diese auf lange Sicht auftauchen, wäre beispielsweise ein Punkt, der erst einmal zu beobachten wäre. Doch wir wollen nicht unken. Fürs erste war die Entscheidung, gemeinsam voranzugehen, definitiv die richtige.
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