Kommentar Anfang März 2026 hat die Endress-Gruppe vor dem Amtsgericht Stuttgart einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für ihre beiden Gesellschaften Endress Motorgeräte GmbH, Stuttgart, und Endress Bayern GmbH in München gestellt. Noch ist offen, wie es weitergeht und wie viele der 20 Filialen diesen Schritt überleben werden. Ein Weckruf ist er allemal.
Nun also doch! Seit Monaten kursierten die Gerüchte über eine massive Schieflage und drohende Insolvenz der Endress-Gruppe. Immer wieder verdichteten sich Anzeichen, dass es vielleicht nicht gut ausgehen möge mit Deutschlands filialstärkstem Forst- und Gartentechnikhändler. Manche hatten Endress, den Großen unter den Motoristen, schon totgesagt. Andere unkten, wieder andere bangten mit: Wenn ein Unternehmen, das den Markt jahrzehntelang entscheidend mitprägte, das eine gute Zeit lang sicher auch von seiner Nähe zum Fabrikat Stihl profitierte, das durch einen frühen Online-Vertrieb Akzente setze und jederzeit für selbstbewusstes Unternehmertum stand – wenn ein solches Imperium ins Wanken gerät, was dann?
Die Geschäftsführung der Endress Gruppe hat darauf eine Antwort gefunden und nun vor dem Amtsgericht Stuttgart tatsächlich die Einleitung eines Insolvenzverfahrens beantragt – Ausgang ungewiss. Zwar hegt man die Hoffnung, einige Filialen aus dem Verbund der Endress GmbH und Endress Bayern, die rentabel arbeiten, zu retten. Vielleicht gelingt mit Unterstützung einer guten Insolvenzverwaltung auch mehr. Erspart hätte die Endress-Führung dies sich und ihren Mitarbeitenden ganz sicher gerne. Gewiss, vielleicht wurden in der Vergangenheit an der einen oder anderen Stelle unternehmerische Fehleinschätzungen getroffen. Tatsächlich gibt es Stimmen im Markt, die strukturelle oder auch organisatorische Missstände im Endress-Filialkonstrukt ausgemacht haben wollen und das nicht erst seit gestern. Vielleicht wähnte man sich angesichts jahrzehntelanger Vormachtstellung auch zu sicher? Vielleicht hat man die Zeichen der Zeit zu spät erkannt? Nachvollziehen oder gar bewerten lässt sich dies aus der Distanz nicht. Das, was Endress nun zum Schluss trotz redlicher Bemühungen des Gegensteuerns doch noch in die Knie zwang, obliegt ohnehin nur zum Teil der unternehmerischen Hoheit – oder des zeitgerecht Umsetzbaren.
Die Rede ist von dem rasanten Wandel, den der gesamte Gartentechnikmarkt gerade erfährt – und der das Geschäftsmodell Motorist gefährdet: „Die Masse an billigen Akkuprodukten, die aggressiv über alle Kanäle vertrieben werden, ebenso wie die aktuelle Schwemme an Mährobotern aus chinesischer Produktion“, führte Michael Endress bereits im November 2025 als wesentlichen Grund an, warum das Privatkundengeschäft für die Gruppe schlicht unrentabel geworden ist. Dies sei ein echter „Disrupter“ für die Branche, wie er es benannte. Auch an dieser Stelle meldeten sich zwar Kritiker zu Wort, die anmerkten, das alleine hätte die Misere im Hause Endress nicht herbeigeführt. Die Augen verschließen sollte man vor der geschilderten Marktdynamik jedoch nicht: Wer heute glaubt, es gäbe im Consumer-Bereich noch irgendein Gartentechniksortiment, das allein dem Fachhandel vorbehalten ist, der irrt. Schon gar nicht gilt die Exklusivität für Mähroboter. Ausgerechnet jene Kategorie, die dem Fachhandel noch vor Jahren eine neue Stufe der Wertschöpfung versprach und auf die gefährlich viele Motoristen ihr aktuelles Geschäftsmodell ausrichten, ist im Massenmarkt angekommen – mit Features, die sich sehen lassen können und zu Preisen, die jede Fachhandelskalkulation ad absurdum führen, ob einem dies gefällt oder nicht.
Bei Endress hat man das erkannt und wollte gegensteuern, sich stärker auf das Geschäft mit Profis und Prosumern fokussieren, wie es hieß. Man wusste, dass man dabei vor einer großen Herausforderung stand, auch, dass die Zeit davonzulaufen drohte. Auch die Suche nach möglichen Investoren lief im Hintergrund bereits. „Endress im Wandel“ titelten wir damals im November, wohl wissend, dass der Anlauf misslingen könnte. Nicht, weil es etwas zu beschönigen galt, sondern weil unternehmerisches Bemühen anzuerkennen ist, gerade in der Krise. Auch jetzt drückt Motorist die Daumen. Denn es geht hier nicht nur um den größten deutschen Fachhändler für Motorgeräte, ein Traditionsunternehmen und Lebenswerk.
Sinnbildlich steht das Schicksal der gesamten Branche auf dem Spiel. Motoristen sind Servicebetriebe. Sie beschäftigen gut ausgebildete Mitarbeitende in Beratung, Verkauf und Werkstatt und unterhalten eine entsprechende Infrastruktur. Das alles will finanziert und verantwortet werden. Möglich ist dies nur mit entsprechenden Einnahmen durch serviceaffine Kunden, interne Effizienz und vor allem durch ausreichende Margen. Vor diesem Hintergrund sollte jeder Motorist sein Geschäftsmodell ausrichten können - im besten Fall mit Unterstützung aller Marktpartner und einem klaren Profil. Und dies am besten sofort. Innerhalb der Branche richtet sich der Blick nun bereits auf weitere Filialisten. Hoffen wir alle, dass das Beispiel Endress ein Einzelfall bleibt. Was diese Gruppe betrifft, so bietet sich ihr vielleicht sogar die Chance, sich in der Insolvenz zu verschlanken und zukunftsfähig aufzustellen. Fest steht: Ein „weiter so wie bisher“ wird vielerorts gefährlich bleiben.
Dranbleiben, mit Motorist!
Unser Newsletter informiert Sie 14-tägig über aktuelle Themen und die wichtigsten Ereignisse aus der Motoristen-Branche.
