Zwei Männer in den 50gern vor Produkten der Firma Solo.
Die Solo Geschäftsführer Andreas Emmerich (links) und Sascha Luft (rechts). (Quelle: Benjamin Knoblauch)

Handel & Hersteller

22. February 2023 | Teilen auf:

Solo Kleinmotoren wird 75

Am 10. Februar 2023 feierte die Solo Kleinmotoren GmbH ihre 75-jährge Gründung. Damit blickt man auf aufregende Jahre und Meilensteine zurück, etwa die revolutionären Solo Motorsägen oder die aktuelle Fokussierung auf Spritzen, Sprühgeräte und Trennschleifer. Fest steht: Auch für die Zukunft hat man in Sindelfingen Pläne.

Aufbruchstimmung - das war es, was die beiden Brüder Heinz und Hans Emmerich antrieb, als sie am 10. Februar 1948 in Stuttgart ihre „Kleinmotoren GmbH“ gründeten und wenig später ins Handelsregister eintragen ließen. Auch ihr erstes Produkt zeugte davon: ein kleiner, leichter und dennoch starker Zweitaktmotor, den der begeisterte Flieger und Modellbauer Heinz Emmerich schon lange im Sinn hatte. Einen Mitstreiter fand er in seinem Bruder Hans, der Kaufmann war. Am 10. Juni 1948, dem Tag der Währungsreform, wurde der in Eigenregie entwickelte Zweitaktmotor „KMS 30“ erstmals gestartet. Es folgte eine kleine Serienproduktion, die für einen ungewöhnlichen Auftrag Verwendung fand: Eine Generatorenfirma nutze ihn als Antrieb für kleine Stromerzeuger, um diese zusammen mit Radiogeräten hinter dem „eisernen Vorhang“ abzuwerfen. Weitere Anwendungen wurden angedacht, auch für den doppelt so starken „KMS 60“, etwa der Einbau in Motorroller und Pflanzenschutzspritzen. Doch zunächst stieß man auf Skepsis. Viele Firmen sahen keine Zukunft für die „neumodische Technik“. So kümmerte sich das kreative Geschwister-Duo selbst um Anwendungs- und Einsatzmöglichkeiten. Da beide in Stuttgart lebten, nahmen sie den Weinbau ins Visier. Schnell war die Idee geboren, den kleinen Motor als Pumpenantrieb für Weinbergspritzen zu nutzen. Das kam an. Und motivierte zu weiteren Erfindungen wie dem weltweit ersten Motorstäubegerät, das 1950 auf den Markt kam, und ein Jahr später zum ersten Motorsprühgerät. Beide versetzen die Weinbauern in die Lage, die mühevolle Sprüharbeit als Solisten zu erledigen – solo eben, womit auch der griffige Firmenname geboren war.

Bewegte Jahre

Firma und Produktprogramm wuchsen schnell. Anfang der 50er Jahre stellte Solo den ersten Rasenmäher mit rotierendem Messer in Deutschland vor, 1956 folgte die erste Motorhacke, 1958 die erste Direktgetriebene Motorsäge Europas, die legendäre „Solo-Rex“. Das fand auch im Ausland Interesse. Bereits Ende der 50er eröffnete Solo erste Niederlassungen in Europa, viele weitere folgten, auch in Übersee. 1968 konnte man das 1-Millionste Solo-Gerät feiern. Der Zeit und dem Wettbewerb war man dabei manches Mal voraus, etwa beim „Combi“-Programm, einem Wechselmotor für mehrere Anbaugeräte. In den Siebzigern hielten Mofas und Mopeds Einzug in die Produktion, die schnell Kultstatus erlangten und für weiteres Wachstum sowie Diversifikation sorgten, allerdings auch das Garten- und Forstsortiment etwas in den Hintergrund treten ließen. Mitte der 80er Jahre erwies sich dies mit dem Ende des Zweiradbooms als nicht unproblematisch. Gebundene Ressourcen und der zunehmende Wettbewerb durch Billigprodukte aus Fernost führten 2014 schließlich zu der Entscheidung, sich von der Garten- und Forstsparte zu trennen und diese an Al-Ko abzugeben, um sich fortan auf den Bereich „Pflanzenschutz“ zu konzentrieren.

Zuversichtlich in die Zukunft

Ein massiver Einschnitt, dennoch gelingt der zweiten Generation mit Wolfgang und Andreas Emmerich die Neuausrichtung. Eine weiter verstärkte Exportausrichtung mit einem Anteil von derzeit 85 Prozent legen den Fokus klar auf Spritzen und Sprühgeräte für den Pflanzenschutz. Produziert werden diese neben dem Hauptstandort in Sindelfingen im amerikanischen Newport News. Seit 2016 ergänzt mit der Solo CleanLine ein Programm für Reinigung- und Desinfektion das Portfolio. Außerdem gehört eine Trennschleifer-Linie zum Produktprogramm. Das weltweite Händlernetz wird durch den Online- und Flächenhandel ergänzt. 2021 entsteht ein Neubau für Produktion und Logistik. In Verantwortung ist nun neben Andreas Emmerich Sascha Luft. Auch künftig will man ein Family Business bleiben. Zu den Gesellschaftern gehören neben den beiden Geschäftsführer noch die Brüder Wolfgang und Roland sowie Schwester Ute. Die letzten beiden haben ja bekanntlich einen anderen Weg eingeschlagen: Als Filmemacher in Hollywood.

zuletzt editiert am 16.03.2023