Der Eingang eines Gartencenters mit Werbeschildern von STIHL und VIKING.
Dauerhaft geschlossen: Die Endress Gruppe vermeldete zum Ende des Monats April 2026 die Geschäftsaufgabe. (Quelle: RM Rudolf Müller)

Handel & Hersteller 2026-05-04T15:06:20.840Z Endgültiges Aus für Endress-Gruppe

Entgegen zuletzt positiver Signale konnte keine Lösung für die Endress Motorgeräte GmbH und die Endress Bayern GmbH gefunden werden. Per 28. April 2026 vermeldete man die Geschäftsaufgabe. Alle 220 Beschäftigten erhielten die Kündigung, die Filialen werden abgewickelt.

„Sehr geehrte Kunden, leider mussten wir zum 28.04.2026 unseren Geschäftsbetrieb einstellen. Daher können wir keine Aufträge mehr abwickeln und/oder fertigstellen“, heißt es offiziell auf der Homepage der Endress Motorgeräte GmbH. Man habe ein Abwicklungsteam in den einzelnen Niederlassungen aufgestellt. Kunden sollten per E-Mail bei Ihrer Niederlassung anfragen, wann sie ihre Geräte abholen können, so der Text weiter. Betroffen sind alle 17 Standorte deutschlandweit, wobei einige bereits komplett geschlossen sind und die Kunden auf anderen Filialen umgelenkt werden.

Auch Endress Bayern fällt zum Opfer

Noch Anfang April hatte sich ein Vertreter der mit der Investorensuche beauftragten Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner (W&P) in Stuttgart gegenüber Motorist optimistisch gezeigt, per Ende des Monats zumindest für einen Teil der Standorte eine Lösung aufweisen zu können – zumal insbesondere Endress Bayern dem Vernehmen nach gut positioniert war. Diverse mögliche Käufer sollen Interesse bekundet haben, darunter ein Großinvestor gleich an mehreren Filialen, gab der in der Sache betraute W&P-Partner Philippe Piscol seinerzeit zu Protokoll. Im Bestfall 80 Prozent der Standorte hoffte man in diesem Sinne retten zu können (Motorist berichtete) Nun endete die Frist für die Investorensuche – ganz offensichtlich ohne das erwartete positive Ergebnis. Demnach ging allen 220 Mitarbeitenden sowohl der Endress Bayern GmbH als auch der Endress Motorgeräte GmbH in Stuttgart Mitte vergangener Woche die Kündigung zu. Per Ende Mai enden die Arbeitsverhältnisse, die meisten Beschäftigten sind bereits freigestellt. Noch Anfang April hatte man die Hoffnung gehegt, dass im Rahmen möglicher Übernahmen ein Großteil der Mitarbeitenden übernommen werden könnte.

Fahrlässiges Missmanagement?

Unterdessen mehren sich Gerüchte, die auf ein internes Missmanagement in der Endress-Gruppe schließen lassen würden. So ist zu hören, dass die im Insolvenzverfahren aus der Zentrale in Stuttgart bereitgestellten Unterlagen mangelhaft gewesen sein sollen. Ungereimtheiten soll es zudem bei den Mietzahlungen für die Filialen gegeben haben: Während externe Vermieter offensichtlich bereits seit längerer Zeit hingehalten worden sein sollen, sollen die Mietzahlungen für die Standorte im Besitz der Familie Endress weiter bedient worden sein. Andere wollen wissen, dass in den letzten Jahren stattliche Beträge aus dem Unternehmen entnommen wurden. Zu belegen ist all dies für Motorist nicht. Auch ein Statement des Insolvenzverwalters steht noch aus. Was bleibt ist ein fader Beigeschmack bzw. der Verdacht, man habe den Bankrott womöglich wissentlich in Kauf genommen, wenn nicht gar beflügelt. Leidtragende bleiben wie so oft die Mitarbeitenden, die nun, teils Jahrzehnte im Betrieb oder gerade in der Ausbildung, mit den Konsequenzen zu kämpfen haben. Ebenso den Lieferanten und darunter vor allem den kleineren dürfte das Aus zu schaffen machen, wohingegen sich größere bereits vor Monaten distanziert haben. Auch stellt sich die Frage, ob die Insolvenz nicht früher hätte benannt werden müssen. Erst im März dieses Jahres wurde diese vor dem Amtsgericht Stuttgart beantragt - wohl gemerkt rückwirkend zum ersten Februar. In der Krise befand sich die Endress Gruppe zu dem Zeitpunkt dem Vernehmen nach bereits seit längerem.

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zuletzt editiert am 05. Mai 2026