Horst Martens, Director Dealer Channel Europe bei der Positec Germany GmbH, räumt seinen Posten. Ende August geht der Kress-Frontmann von Bord - auf eigenen Wunsch, wie man weiß. Böse Zungen könnten behaupten, er wirft das Handtuch. Doch das wäre ebenso falsch wie fatal. Was Martens zum Abgang bewogen hat, steht vielmehr symptomatisch für das aktuelle Marktgeschehen.
Es war ein bewusster Schritt: Wer Horst Martens kennt, der weiß, wie sehr er für die Werte des Fachhandels steht. Nicht zuletzt diese Haltung hat in den letzten vier Jahren maßgeblich zum erfolgreichen Aufbau des Kress-Fachhandelsnetzes unter seiner Ägide beigetragen. Beäugt vom Wettbewerb konnte Kress/Positec so durchaus an mancher Stelle punkten, allen voran bei den Mährobotern. Auch das Kommissionsmodell kam an und wurde vielerorts gefeiert. Martens war der richtige Mann an der richtigen Stelle, keine Frage.
Nun kommt es vor, dass sich Stellschrauben ändern und damit auch der Anspruch an das eigene Selbstverständnis und Handeln. Ganz offensichtlich gab es zuletzt für Horst Martens Punkte, an denen er bei sich hinsichtlich des von ihm Abverlangten wenig Raum für Kompromisse sah, was dann schlussendlich in seiner aktiven Kündigung mündete. Womit nun Positec ohne Frage einen wichtigen Mann verliert.
Hierauf mit Häme oder doch zumindest einer gewissen Genugtuung gegenüber dem zur GaLaBau 2022 ordentlich auftrumpfenden Newcomer Kress/Positec zu reagieren, wäre jedoch ebenso flüchtig wie oberflächlich. Erinnern wir uns: Es ist noch gar nicht lange her, da vermeldete Husqvarna den Abgang seines County-Managers Sven Baumberger. Dieser ging ebenfalls auf eigenen Wunsch und wer weiß, wie hier die Gründe lagen?
Fest steht: Die gesamte Branche segelt im gleichen Fahrwasser, trifft auf dieselben Strudel und Stromschnellen und reissst an denselben Riemen, wenn es darum geht, Marktanteile zu ergattern oder schlicht, im Rennen zu bleiben und den Kopf über Wasser zu halten. So werden immer mal wieder Lotsen von Bord gehen und neue Steuerleute das Ruder übernehmen, um dem auferlegten Kurs zu folgen. Diesen gibt jedoch selten ein Akteur alleine vor. Es ist vielmehr der Markt mit einem Mix diversester Bedürfnisse.
Was Positec anbelangt, so war man einst mit dem Versprechen gestartet, dass es der Handel unbeschwert haben solle. „I want the daler hasslefree“, ließ sich Positec-Chef Don Gao seinerzeit zitieren. Deshalb das Kommissionsmodell, daher die aus der Zentrale heraus gesteuerte Preispolitik. Unbestritten ging das eine zeitlang gut und brachte Händler in die Gefolgschaft. Doch zuletzt gab es eben auch Marktentscheidungen, die den Grundsatz wanken ließen. Etwa die jüngste Rabattaktion für Mähroboter, die beim Handel nicht gerade für Jubel sorgte. Auch Torsten Bollweg, EMEA-Chef bei Positec, räumte hierzu auf Nachfrage von Motorist ein, dass man geschickter hätte vorgehen können. Viel wichtiger aber ist der Nachsatz, man habe daraus gelernt. In diesem Sinne bleibt Kress im Spiel. Wer das Fachhandelsgeschäft künftig führt, wird sich zeigen - und könnte spannend werden.
