3 Männer und 3 Frauen auf einem Podium
Der Stihl-Gesamtvorstand auf der Bilanz Pressekonferenz am 25. April 2023 in Stuttgart. (Quelle: Andreas Stihl AG & Co. KG)

Handel & Hersteller 26. April 2023 Stihl vermeldet Rekordumsatz

Gestern hat Stihl im Rahmen der Bilanzpressekonferenz Zahlen geteilt und einen Ausblick auf Kommendes gegeben. Demnach schreitet die Transformation voran, angestrebt ist eine Spitzenposition im Akkumarkt bei gleichzeitiger Technologieführerschaft im nachhaltigen Verbrennergeschäft.

Bereits bis 2035 sollen 80 Prozent der von Stihl verkauften Geräte Akkuprodukte sein. Gleichzeitig strebt man bei den Verbrennern nach neuen nachhaltigen Lösungen. Anvisiert ist nicht weniger als die doppelte Technologieführerschaft, so die zentrale Botschaft auf der Bilanzpressekonferenz der Stihl Gruppe am 25. April in Stuttgart. Gerüstet sieht sich das Waiblinger Traditionsunternehmen dafür bestens angesichts eines neuerlichen Umsatzrekords.

Neuerlicher Rekordumsatz

Demnach konnte Stihl das Geschäftsjahr 2022 mit einem Umsatz von 5,5 Milliarden Euro abschließen. Dies entspricht einem Plus von 8,6 Prozent gegenüber Vorjahr und einer Steigerung von 44 Prozent im Vergleich zu 2018. 90 Prozent des Umsatzes wurden außerhalb des Heimatmarktes Deutschland erzielt. Hierzulande erzielte Stihl 2022 einen Umsatz von über 500 Millionen Euro. Das Plus geht insbesondere auf Währungseffekte, infla­tionsbedingte Preisanpassungen und eine stärkere Nachfrage nach hochpreisigen Profi-Produkten zurück. Ohne Wechselkurseffekte hätte der Umsatzzuwachs 3,1 Prozent betragen. Denn insgesamt verspürte man 2022 gemessen am wachstumsstarken Vorjahr einen leichten Nachfragerückgang. Als Grund führt Stihl Vorstandsvorsitzender Michael Traub vor allem die konjunkturellen und geopolitischen Herausforderungen an, dennoch rangiere der Absatz 2022 „nach wie vor auf hohem Niveau.“ Einen leichten Rückgang gab es im Benzin-Segment, während der Trend zu Akku-Produkten bei Profi- wie Privatkunden anhält. Detaillierte Angaben zu Absatzzahlen nach Produktgruppen machte man nicht. Auch nicht zum Ergebnis, das der Stihl Vorstandschef jedoch als sehr zufriedenstellend beschrieb. Wachstumsmärkte nach Regionen bleiben insbesondere Asien und China, Afrika und Lateinamerika.

Stammhaus ebenfalls im Plus

Das deutsche Stammhaus, die Andreas Stihl AG & Co. KG, erzielte 2022 ebenfalls einen Rekordumsatz von 1,78 Milliarden Euro, bzw. ein Plus von 11,9 Prozent. Die Beschäftigtenzahl stieg um 3,8 Prozent auf 5.968 Mitarbeitende zum Stichtag 31. Dezember 2022. Die Stihl Gruppe beschäftigte zum Jahresende 20.552 Beschäftigte, 2,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Weiteres Beschäftigungswachstum ist geplant: Aktuell sind im Stammhaus rund 360 Stellen ausgeschrieben, insbesondere in den Zukunftstechnologien Akku, Software, IT und Digitalisierung. Die Investitionen lagen mit 136,4 Millionen Euro deutlich über den Abschreibungen. So wurde unter anderem stark in neue Produktionsanlagen und Gebäude investiert. Ein Leuchtturm-Bauprojekt ist die „Stihl Markenwelt“ am Stammsitz in Waiblingen, die im Juli offiziell eingeweiht wird.

Technologieführerschaft im Blick

Auch insgesamt hat Stihl im Jahr 2022 mit über 400 Millionen Euro kräftig investiert, u.a. in Akquisitionen wie den US-amerikanischen Hersteller von Schalldämpfern Cosmos Manufacturing oder zuletzt Mogatec und eigene Standorte sowie Forschung und Entwicklung. Ein Fokus liegt auf dem Ausbau des Akkusegments und alternativen Kraftstoffen. Gemäß dem Motto des diesjährigen Geschäftsberichts „Zukunft gestalten“ feilt Stihl an seiner Technologieführerschaft. Akku ist für Stihl das am stärksten wachsende Marktsegment. Aktuell hat man mehr als 80 Akku-Geräte für Privatanwendungen und Profis im Sortiment. 20 Prozent der weltweit verkauften Stihl Geräte basieren auf der Antriebsform. Bis 2027 soll der Anteil auf mindestens 35 Prozent gesteigert werden, für 2035 ist gar eine Marke von 80 Prozent anvisiert. Michael Traub betont: „Stihl soll eine führende Spitzenposition im Akku-Markt einnehmen. Dafür investieren wir mit höchster Priorität in die Entwicklung und Fertigung von innovativen und leistungsstarken Akku-Produkten.“

Akku-Strategie

Wesentliche Bausteine hierbei seien grüner Strom, performantere langlebige Akkus und Ladegeräte sowie E-Motoren mit hohen Wirkungsgraden. Gefertigt werden die Akku-Produkte derzeit an den Stihl Standorten in Österreich und den USA. Ab 2024 wird man zusätzlich am deutschen Stammsitz in Waiblingen und am neuen Produktionsstandort in Oradea, Rumänien, Akku-Produkte produzieren. Während man die Marke von 35 Prozent Akkuprodukten bis 2027 schon heute „sehr gut an belastbaren Zahlen durchdeklinieren kann“, wie Traub sagt, setzt Stihl für die angepeilten 80 Prozent bis 2035 vor allem auf weitere technologische Entwicklung in immer höhere Leistungsklassen, die neue Anwendungen ermöglicht. Allianzen wie sie andere Player am Markt eingegangen sind, erteilt er eine Absage: „Wir verfügen im Akkusegment über ein sehr leistungsfähiges System mit verschiedenen Linien und einer vollen Palette. Daher sind wir der Meinung, diesen Weg gut allein weiter beschreiten zu können.“ Gerüstet sieht man sich hier auch angesichts einer soliden Eigenkapitalquote von 62 Prozent mit entsprechend einhergehender Liquidität.

Nachhaltige Kraftstoffe

Doch auch in die Weiterentwicklung von Verbrennungsmotoren und nachhaltige Kraftstoffe will Stihl investieren, schon mit Blick auf die vielen Geräte im Bestand und Anwendungen, die bisher noch nicht mit der Akkutechnik abgedeckt werden können. „Wir setzen bewusst auf eine doppelte Technologieführerschaft. Denn: Wir richten unser Handeln konsequent nach den Bedürfnissen unserer Kundinnen und Kunden aus. Akku ist die Zukunft; gleichzeitig gibt es noch viele Arbeitsbereiche und Regionen auf der Welt, in denen Verbrenner-Produkte gebraucht werden. Für diese Kundinnen und Kunden entwickeln wir zukunftsweisende, umweltfreundliche Lösungen“, betont Traub. Ein Stichwort sind hier biogene Kraftstoffe und E-Fuels. Mit MotoMix Eco habe man bereits einen Kraftstoff im Markt, der zu 10 Prozent aus Rohstoffen regenerativer Quellen besteht. Verglichen mit dem klassischen Zweitaktmotor-Sonderkraftstoff wird mit dem MotoMix Eco ein um mindestens 8 Prozent geringerer CO2-Ausstoß erzielt. Mit E-Fuels gehen die Waiblinger nun einen Schritt weiter. Diese synthetischen Kraftstoffe werden mittels Windenergie aus grünem Wasserstoff und Kohlendioxid (CO2) produziert und sind folglich nahezu CO2-neutral. Nicht nur Stihl Entwicklungsvorständin Anke Kleinschmit ist offen für E-Fuels, wie sie anlässlich der Bilanz PK bei der Live-Vorführung der mit einer Laborprobe betankten Stihl MS 500i unter Beweis stellte. Auch alle Stihl Produkte sind heute bereits „E-Fuels ready“ und können ohne technische Veränderungen mit den alternativen, umweltfreundlichen Kraftstoffen betrieben werden. Schon ab 2027 strebt man die umfangreiche Nutzung von E-Fuels in Stihl Geräten an, wenn auch die Verfügbarkeit noch eine Herausforderung darstellt.

Neuer Vorstand

Über die reinen Fakten hinaus bot die PK, die erstmals seit Corona wieder live stattfand, auch eine gute Gelegenheit, den neuen Vorstand kennenzulernen. Bereits zum Februar 2022 hatte Michael Traub als Vorstandsvorsitzender der Stihl AG die Nachfolge von Dr. Bertram Kandziora angetreten. Sowohl auf dem Podium als auch im anschließenden Austausch teilte und präzisierte der international geprägte Manager die Ideen von Stihl zum Thema Transformation. Offen und interessiert, insbesondere für die Belange des Fachhandels, zeigte sich Sarah Gewert, die in der Nachfolge von Norbert Pick seit Januar als neue Vorständin Marketing und Vertrieb bei der Andreas Stihl AG & Co. KG weltweit für diesen Bereich verantwortlich zeichnet. Unter anderem hat Gewert, die 2014 zu Stihl kam und dort zuletzt die Marketingleitung innehatte, das Markenleitbild erneuert und Stihl im Direktkundengeschäft als Marke etabliert sowie die Omni-Channel-Strategie entscheidend weiterentwickelt. Im Gespräch mit Motorist unterstrich sie einmal mehr die Bedeutung des servicegebenden Fachhandels und ließ durchblicken, dass man an einer weiteren Vernetzung und Optimierung des On- und Offlinekanals zum Nutzen des stationären Handels arbeitet. Derzeit wachse das Geschäft im 2020 eröffneten Stihl Onlineshop zwar, rangiere jedoch auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Motorist wird weiter zum Thema berichten. Ebenfalls neu im Vorstand ist Ingrid Jägering, die seit Januar 2023 das Finanzressort leitet.

Aktuelle Saison

Auf die aktuelle Saison blickt Stihl laut Traub zuversichtlich, wenn diese auch wetterbedingt spät angelaufen sei. „Aktuell spüren wir jetzt aber einen Nachfrageschub, auch die entsprechenden Umsätze werden uns vom Handel durchgemeldet“, so der Vorstandsvorsitzende. Entsprechend der sehr guten Frühbezüge seien die Verfügbarkeiten weitestgehend sichergestellt. So habe man Rückstände in der Beschaffungskette signifikant reduzieren können, lediglich bei Halbleitern verbucht Martin Schwarz, Vorstand Produktion und Materialwirtschaft, noch eine gewisse Anspannung. Doch auch hier sei Besserung bis zum Sommer in Sicht. Auch von Preissteigerungen geht Michael Traub für dieses Jahr derzeit nicht aus. Impulse verspricht man sich hierzulande von Produktneuheiten wie den neuen iMOW Mährobotern, den neuen Akku-Geräten im AK sowie AP System und den neuen Benzinmotorsägen im Einstiegsbereich. In Nordamerika hat Stihl zudem ein Pilotprojekt zu ZTR-Mähern gestartet. Traub macht klar, wo die Reise hingehen soll: „Die Marke Stihl soll die erste sein, wenn Menschen an Arbeiten im Garten oder Grün denken.“

zuletzt editiert am 22.05.2023